Zahlen und Fakten

Initiator: Dr. Schlender Fondspartner GmbH, Berlin

Investitionszweck: Errichten eines Geothermiekraftwerks im Molassebecken oder Oberrheingraben und Veräußerung nach erfolgtem Probelauf

Fertigstellung: 2011

Nennleistung: 10 Megawatt

Mindestzeichnung: EUR 3.000 plus Sparplan, Einmalanlage EUR 5.000, jeweils plus 5% Agio

Laufzeit: durch Anleger erstmals zum 31. 12. 2013 kündbar

Kommanditkapital: EUR 61,905 Mio. zzgl. 5% Agio

Fremdkapital: nein

Ausschüttungen: kumuliert bis zu 176,6% (geplanter Verkaufserlös bis zu 165,3% im Jahr 2013)

Rendite: prognostiziert bis zu 12% p. a.

Geplanter Veräußerungserlös: EUR 95 Mio.

Weichkosten: 15% incl. Agio

Investitionsquote: 83,14%

Liquiditätsreserve: EUR 255.400

Plazierungsgarantie: nein

Wertgutachten: nein

Alleinstellungsmerkmale: Offenbar keinerlei nachweisbare Vertragspartner; weder Baufirma, Bank noch Bohrfirma können namentlich benannt werden. Es liegen noch keine Bergrechte vor, mögliche Standorte sollen lokalisiert sein. Da noch keine Probebohrungen vorgenommen wurden, liegt ein Fündigkeitsrisiko vor.

Bewertung: 5 (Notenskala)

Investmentanalyse vom 10.03.2008

Dr. Schlender Fondspartner Verano Energy Geotherm Fonds

Dieses Geothermie-Angebot ist nicht plazierungsreif. Angesichts der enthaltenen Risiken eignet es sich insbesondere keinesfalls als Publikumsfonds. Die unrealistischen Planzahlen erinnern an einen anderen Anbieter aus diesem Segment (Green Energy).

Der Initiator

Die Dr. Schlender Fondspartner GmbH, Berlin, gegründet 2001, tritt als Initiatorin des vorliegenden Angebots auf. Es handelt sich um ihr erstes Angebot im Bereich Geothermie. Der Initiator weist in den Emissionsunterlagen keinerlei Expertise im Spezialgebiet Geothermie nach. Auch die einzelnen Beiratsmitglieder können kein derartiges Fachwissen vorweisen. Der Außenauftritt ist professionell.

Schwächen – Keinerlei Fachwissen im Investitionsgebiet.

Note für Außenauftrit – B.

Der Prospekt

Mit 82 Seiten fällt der BaFin-geprüfte Prospekt relativ schlank aus. Optisch und inhaltlich ist er wenig ansprechend. Formal ist er fehlerhaft, daher stellt sich die Frage, wie er durch die BaFin-Prüfung kommen konnte. Das Hauptrisiko der Unternehmung, das der Fündigkeit, wird an keiner Stelle im Text erwähnt. Im Gegenteil wird der Eindruck erweckt, eine ausreichende Fündigkeit sei notwendigerweise automatisch gegeben. Im Prospekt wird nur ein Fördermengenrisiko erwähnt, das aber logischerweise auf die Frage der Fündigkeit folgen muß.

Schwächen – Der Prospekt nützt die Unzulänglichkeiten der rein formalen BaFin-Prüfung aus. Das Hauptrisiko einer derartigen Investition wird nicht erwähnt.

Der Standort

Die Aussagen im Prospekt zum Mesostandort sind im Grundsatz richtig: Tatsächlich können das Molassebecken oder der Oberrheingraben sehr gut als Bohrstandort geeignet sein. Doch wo konkret soll gebohrt werden? Der Initiator plant, bis Ende 2008 ein Grundstück von 5.000 bis 6.000 qm erworben zu haben, um vier Bohrungen zu setzen. Das Thema Probebohrungen wird an keiner Stelle erwähnt. Im Gegenteil erzeugt der Prospekt den Eindruck, an jeder beliebigen Stelle der beiden erwähnten Gebiete müßte problemlos ausreichend Wasser mit dem richtigen Druck und ausreichend Temperatur förderbar sein. Da stellt sich die Frage, warum etablierte Emissionshäuser derartige Risiken über Risiko-Kapital-Fonds auslagern. Das Vorliegen eines konkreten Grundstücks mit einer durch eine Probebohrung nachgewiesenen wirtschaftlich ausreichenden Fündigkeit ist der erste Schritt einer derartigen Investition. Ohne diesen ist ein Fonds nicht geeignet für den öffentlichen Vertrieb.

Die Anlage

Der Initiator plant den Bau einer Anlage mit einer elektrischen Nennleistung von 10 MW. Als Bohr- und Kraftwerkstechnik soll die ORC-Technologie eingesetzt werden. Das Kraftwerk soll nach rund 7 Jahren, getestet in einem 33monatigen Probebetrieb, veräußert werden. Die angesetzte Kostenstruktur ist laut Expertenaussage fehlerhaft: Ein 10-MW-Kraftwerk (elektrische Leistung) kann, wenn es wirtschaftlich weiterbetrieben werden soll, einen maximalen Verkaufspreis von EUR 50 Mio. erzielen. Die avisierten EUR 90 Mio. dürften völlig utopisch sein. Für die Umzäunung des Grundstückes sollen laut Prospekt Kosten von rund EUR 250.000 anfallen, realistisch wären EUR 100.000. Ebenso sind die Außenanlagen völlig überteuert. Für das Kraftwerk selbst wird ein Kostensatz von EUR 49 Mio. veranschlagt. Bei einer realistischen Kalkulation würde ein 10-MW-Kraftwerk in der Errichtung rund EUR 35 Mio. kosten, incl. Bohrung und Verrohrung. Die Anschaffung ist erst für 2011 geplant, aus welchen Gründen, darüber schweigt sich der Initiator aus. Die Kosten für Gutachten und Analysen dürften bei tatsächlichen EUR 300.000 liegen, sind also mit EUR 550.000 deutlich zu hoch veranschlagt. Anteilig sollen hiermit auch Rechts- und Steuerberatung bezahlt werden. Fraglich ist vor allem auch, mit welchen Fündigkeitswerten gerechnet werden soll. Im Prospekt werden keine Aussagen über die erwartete Temperatur und Durchflußmenge getroffen. Die erwartete Laufzeit von 8.300 h / a ist dem Experten zufolge ebenfalls unrealistisch. Korrekt wäre ein Wert von rund 7.200 h / a bzw. max. 5.000 h / a während der Probephase.

Schwächen – Ganz offensichtlich ist das gesamte Zahlenwerk mangelhaft bzw. nicht plausibel.

Die Partner

Im Prospekt werden keine konkreten Partner genannt. Die Notwendigkeit, bspw. einen Generalunternehmer zu verpflichten sowie Versicherungen abzuschließen, wird erläutert. Verträge sind derzeit aber noch nicht abgeschlossen. Dies ist auch nicht möglich, solange kein Grundstück mit einer erfolgreichen Probebohrung vorliegt. Laut Aussage namhafter Initiatoren, die ebenfalls im Bereich Geothermie tätig sind, gewähren deutsche Banken grundsätzlich keinerlei Finanzierung, ehe nicht eine erfolgreiche Probebohrung erfolgt ist. Uns bekannte Initiatoren haben diesen Investitionsschritt jeweils über eine Venture-Capital-Investition abgedeckt. Erst im zweiten Schritt wird aus der Anlage ein Publikumsfonds generiert. Höchst ungewöhnlich ist das Fehlen von Angaben zu all diesen essentiellen Partnern, da der Anleger auf diese Eckparameter als Entscheidungsgrundlage angewiesen ist. Sämtliche anderen wesentlichen Vertragspartner (Treuhandkommanditistin, technischer Dienstleister, Komplementärin) sind im Eigentum des Initiators, namentlich des Hrn. Dr. Manfred Schlender. Namhafte und unabhängige Partner wären für einen Anleger bei einem dermaßen schwammigen Angebot zumindest teilweise Garanten für Seriosität. Eine im Eigentum Schlenders befindliche Firma, die Verano Engery Technik & Service GmbH, kann als Generalunternehmer auftreten oder beliebige Beratungsleistungen übernehmen. Die dann zu heute noch nicht feststehenden Gebühren honoriert würden.

Schwächen – Das Fehlen konkreter Fachpartner weist deutlich auf die Unmöglichkeit hin, das vorliegende Konzept umzusetzen.

Das Konzept

Ein Geothermiekraftwerk entweder im Molassebecken oder im Gebiet des Oberrheingrabens, ein wirtschaftlich unsinniges Zahlenwerk - das ist der Angebotsrahmen, in welchen der Anleger investieren soll. Zum Zeitpunkt der Prospektherausgabe fehlen sämtliche entscheidungswichtigen Fakten: So liegt kein Grundstück vor, damit auch keine nachgewiesene, wirtschaftlich einwertbare Fündigkeit. Es stehen keine Vertragspartner für Bau und Finanzierung zur Verfügung. Bei diesem Angebot ist offensichtlich, daß für den Anleger nur eine scheinbare Sicherheit durch eine rein formale Bafin-Prüfung gegeben ist. Für das Konzept ist eine Laufzeit bis Mitte 2013 geplant. Dann soll das Kraftwerk nach 33monatiger durchlaufener Probephase verkauft werden. Die prognostizierten Kostensätze sind offensichtlich falsch. Die Weichkosten fallen mit rund 15% (incl. Agio) augenscheinlich unterdurchschnittlich aus. Allerdings halte ich eine Geschäftsführungsgebühr von EUR 450.000 p. a., die auch in Verlustjahren zu zahlen ist, für überzogen. Zumal bei einem Projekt, dessen wirtschaftliche Zukunft mehr als zweifelhaft ist. Dazu kommt noch eine sehr hohe Treuhandgebühr an eine Initiatortochter von mindestens EUR 120.000 p. a. Insgesamt läßt die Kombination aus schwammigen Aussagen und fehlenden Eckparametern meiner Meinung nach massive Zweifel an der Angebotsqualität aufkommen. Ein derartiges Angebot führt in meinen Augen zum Verbrennen von Anlegergeldern. Daher warne ich ausdrücklich vor diesem Fondsangebot.

Schwächen – Wirtschaftlich unrealistisches und hochspekulatives Angebot.

Summa summarum

halte ich das Angebot „Verano Energy Geotherm Fonds“ der Initiatorin Dr. Schlender Fondspartner GmbH für höchst bedenklich. Das hochinteressante, sich gerade erst entwickelnde Investitionsfeld der Geothermie kann durch solche Konzepte nur bleibenden Schaden nehmen. Das Angebot hat in meinen Augen eine Bewertung mit „5“ (indiskutabel) verdient.

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