Marktanalyse vom 09.06.2013

Aktuelle Situationsanalyse US-Mobilfunkinfrastrukturmarkt Deutsche Fondsanbieter

Folgend soll eine neutrale Analyse der Ist-Situation der ehemali- gen BAC-Infrastrukturfonds sowie der Handlungsoptionen der Anleger erfolgen. Anleger und Vertriebe sind aktuell stark verun- sichert durch tendenziös geführte Internetkampagnen, die mehr Fragen aufwerfen als beantworten.

Der Markt

Aktuell, in der ersten Hälfte 2013, befinden sich im geschlossenen Fondsbereich nur zwei Anbieter von US-Mobilfunkinfrastrukturfonds auf dem Markt.

Einerseits die InfraTrust-(IT)-Fonds 2, 5, 6, 7, 8, 9 der Mobilfunk Asset Management GmbH (ehemals Berlin Atlantic Capital, BAC), die sich in der Betreiberphase befinden. Eine aktive Emissionstätigkeit findet nicht mehr statt. Andererseits das ebenfalls in Berlin ansässige Unternehmen Sworn, das sich nach einer Privatplazierung derzeit bemüht, einen ersten Publikumsfonds zu plazieren – ebenfalls mit dem Investitionsfokus auf den US-Markt. Laut Sworn verläuft die Plazierung bis dato schleppend. Das Management um Sworn-Gründer Oliver Schulz bietet derzeit diverse Informationsveranstaltungen zur möglichen Übernahme der IT-Fonds an. Durch die Veranstaltungen nimmt laut Sworn auch die Plazierung der eigenen Emission deutlich an Fahrt auf.

Die Gesellschafter der IT-Fonds sehen sich mit einer wirtschaftlich unbefriedigenden Entwicklung ihrer Fonds konfrontiert. Hinzu kommen fortlaufende rechtliche sowie persönliche Auseinandersetzungen mit dem ehemaligen IT-Fonds-Geschäftsführer und Sworn-Gründer Oliver Schulz, sowie teils offen, teils anonym initiierte Kampagnen auf verschiedenen Internet-Plattformen, die für eine Verunsicherung der Vertriebspartner und Anleger sorgen.

Bei den IT-Fonds ist generell zwischen den Fonds 2, 5, 7 und 9 als mittelbar investierte Fonds und den Fonds 6 und 8 mit jeweils eigenem Portefeuille an Anlagen (Funktürmen) zu unterscheiden.

Die Fonds 2, 5 und 9 sind entweder aufgrund Prospektvorgaben oder Gesellschafterbeschluß an der US-Gesellschaft CIG LLC, einem Tochterunternehmen der CIG Wireless Corp., beteiligt.

Ursprünglich waren die mittelbar investierten Fonds als atypisch stille Gesellschaften ausgestaltet und wurden nach US-Recht umgewandelt in vollwertige Gesellschafteranteile (sog. „Class A preferred membership interests“) an der CIG LLC. Tatsächlich sind atypisch stille Beteiligungen an US-Gesellschaften erfahrungsgemäß rechtssicher nicht umsetzbar und im Fondsgeschäft auch nicht üblich. Nach Angaben von Oliver Schulz sollen hierzu gegenteilige Gutachten existieren, diese liegen mir aber nicht vor. Die Umwandlung in Klasse-A-Geschäftsanteile an der CIG wurde zum 30. Juni 2012 vorgenommen und im Juli 2012 kommuniziert.

Die Beteiligungen der Fonds 2, 5 und 9 basierten ursprünglich auf einer planmäßigen Ausschüttungsvorgabe (S. 81 f. K10T), die Fonds 2 und 5 wurden durch Gesellschafterbeschluß mittlerweile endfällig gestellt. Ob diese Ausschüttungsvorgabe noch realistisch ist, darf aufgrund der aktuellen Entwicklung sowie des bei geschlossenen Beteiligungen üblichen eingeschränkten Exits bezweifelt werden.

Um den Fonds dennoch eine mögliche positive wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen, wurde mit der CIG Wireless Corp. eine einseitige Option zugunsten der Fonds 2, 5 und 9 vereinbart. Demnach sollen die bisherigen statischen Beteiligungen an der CIG LLC in Aktien an der Muttergesellschaft CIG Wireless umgewandelt werden. Im Veräußerungsfall würden die einzelnen Fonds die Erlöse aus den ihnen zugeordneten Kapitalkonten erhalten – äquivalent zur ursprünglichen Fondsgestaltung. Durch den Erwerb von Aktien für den Optionspreis von USD 3 und anschließenden Abverkauf ergibt sich eine Anzahl von über 3,8 Millionen Aktien. Der aktuelle Aktienkurs liegt bei rund USD 4. Die Anleger würden im Falle einer Umwandlung einen sofortigen Buchgewinn von ca. 33 % realisieren. Sinn ergibt diese Umwandlung in Aktien aber erst mit der Aufnahme der CIG-Aktien in den Handel an einer der großen Börsen, die für Sommer 2013 geplant ist.

Die Fonds 6 und 8 halten ihr Portefeuille (Funktürme) direkt über US-Betriebsstätten, die wiederum durch die CIG LLC, als Dienstleister administriert werden. IT 6 und 8 entwickeln sich derzeit ansatzweise planmäßig. Aufgrund der generellen Marktentwicklung und des begrenzten Wachstumspotentials bei steigenden Kosten erscheint eine negative Entwicklung auf Dauer jedoch nicht zu vermeiden. Zudem ist das Verhältnis der Fonds zur CIG aufgrund der diversen Internet-Kampagnen und der Bemühungen des Sworn-Managements nicht unbeeinträchtigt geblieben. Ein Verkauf des IT-6- und -8-Portefeuilles mit anschließender Re-Investition war im vergangenen Jahr abgelehnt worden.

Laut einer aktuellen Umfrage der Fondsgeschäftsführung stimmt eine Mehrheit der Anleger der Fonds 6 und 8 für die Auflösung der Fonds. Dieses Votum soll nun im Wege eines Gesellschafterbeschlusses umgesetzt werden. Die Beschlußvorlage sieht die Auflösung der Fonds vor, wenn ein Mindestliquidationserlös in Höhe von 80 % erzielt wird.

CIG Wireless Corporation /

CIG LLC

Bei der Betrachtung der CIG ist zu unterscheiden zwischen der CIG LLC als Beteiligungsunternehmen der Fonds und der CIG Wireless als einem eigenständig finanzierten und autarken Unternehmen. Die CIG Wireless ist unabhängig von den Investitionen der Anleger von IT 2, 5 und 9 bzw. von der Dienstleistungsbeziehung zu IT 6 und 8 zu betrachten.

Das Unternehmen CIG Wireless ist aus heutiger vorbörslicher Sicht noch schwierig zu beurteilen. Grundlage folgender Aussagen ist die in den USA börsenrechtlich vorgesehene öffentliche Berichterstattung: Das Unternehmen verfügt über ein langjährig erfahrenes Management. Laut Bilanzen sind zahlreiche Personen und Unternehmen in Aktien bezahlt worden, um eine größtmögliche Erfolgsmotivation zu gewährleisten. Neben Aktienpaketen werden Gehälter gezahlt, die für ein Management mit dieser Expertise in den USA marktüblich sind. Unter „general and administrative expenses“ sind beispielhaft Ausgabepositionen in Höhe von USD 8 Mio. für 2012 aufgeführt. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich neben den laufenden Kosten um Ingangsetzungs- und Kapitalmarkteinführungsaufwendungen. Überproportionale Kosten sind in der Anfangsphase eines Unternehmens ebenso marktüblich wie Entgelte in Form von Aktien.

Die Aktie der CIG Wireless hat sich seit Erstemission von USD 2 auf zwischenzeitlich USD 3,9 bis 5 entwickelt. Nach einem unabhängigen Bewertungsbericht liegt der durchschnittliche angemessene Börsenpreis bei etwa USD 5,60.

2012 hatte das operative Geschäft einen Wert von USD 23 Mio. Aktuell wurden weitere Käufe getätigt (heutiger Bestand: 67 Funktürme), finanziert durch einen Rahmenkredit in Höhe von USD 150 Mio., der von der australischen Macquarie-Gruppe zur Verfügung gestellt wurde. Die CIG Wireless hat vor kurzem die Akquisition des Konkurrenz-Portefeuilles Liberty Media verkündet, mit dem sich die Bilanzmasse der CIG Wireless quasi verdoppelt hat. Zudem wechselt das erfahrene Management der Liberty in den Vorstand der CIG Wireless.

Die CIG Wireless soll vom OTC (ungeregelter Markt) an den geregelten Markt der Börse in New York (New York Stock Exchange / NYSE) emittiert werden. Das Antragsverfahren hierzu ist bereits angelaufen, die Emission soll in diesem Jahr erfolgen.

Sworn und IT-Anleger Schutz

Die Sworn-Gruppe unter Führung von Oliver Schulz und weiterer ehemaliger Mitarbeiter der BAC-Gruppe bemühen sich bereits seit längerem intensiv um eine sogenannte feindliche Übernahme der Fonds 6 und 8 durch die ihr nahestehende IT Anlegerschutz unter Leitung von Dr. Heinrich Boehmer. Mittels eines gezielt auf die Aktivitäten der IT-Geschäftsführung ausgerichteten Internetauftritts (www.oliverschulz.com) sowie diverser Informationsveranstaltungen sollen Anleger der Fonds IT 6 und 8 augenscheinlich dazu bewegt werden, für eine Abwahl der IT-Geschäftsführung unter Stephan Brückl zu stimmen. Eingesetzt werden sollen dann Heinrich Böhmer als Geschäftsführer und die IT Anlegerschutz GmbH als Komplementärin. Als US-Dienstleister stünde, falls von den Gesellschaftern gewünscht, die Sworn Wireless unter der Führung von Daniel Ryan zur Verfügung.

Sworn führt diese Übernahmebemühungen sehr emotional und nicht frei von Aggressionen. Hintergrund dieser Form der Auseinandersetzung ist eventuell auch eine derzeit vor dem Landgericht Berlin anhängige Schadensersatzklage der IT-Fonds gegen Oliver Schulz, die dieser nach erfolgreicher Übernahme der Fonds – da dann in der entsprechenden Position – zurückziehen könnte. Gleichwohl bietet Sworn aktuell keinerlei konkrete Geschäftsstrategien oder operative Alternativen an, auf deren Grundlage sich die Anleger eine Meinung bilden könnten.

Zusammenfassung

Aufgrund der obigen Annahmen ergeben sich für mich aus Anlegersicht heute folgende sinnvolle Handlungsalternativen:

IT 6 und 8

Eine Beteiligung an Aktien der CIG Wireless kommt für die Fonds 6 und 8 wohl nicht mehr in Frage. Eine Übernahme durch Sworn und IT Anlegerschutz dürfte mangels operativen Geschäfts und fehlender Zukunftsstrategie keine tragfähige Perspektive darstellen. Entscheidend ist aber, daß sich nach einer aktuellen Umfrage eine Mehrheit der Anleger von IT 6 und 8 für eine Auflösung ausgesprochen hat. Angesichts dieses Votums würde eine dauerhafte Fortführung der Fonds ebensowenig Sinn ergeben wie eine Übernahme durch Sworn. Genaueres wird das Abstimmungsergebnis der anstehenden Gesellschafterversammlung zeigen.

IT 2, 5, 9

Ohne grundlegende Veränderung der bestehenden Strategie werden sich die mittelbar beteiligten IT-Fonds weiterhin negativ entwickeln. Eine Übernahme durch Sworn scheidet aus den zu IT 6 und 8 genannten Gründen aus.

Hier könnte die Umwandlung in CIG-Aktien eine sinnvolle Alternative darstellen. Die Überlegungen hierzu sollten emotionsfrei erfolgen: Anleger, die mit einem geschlossenen Fonds irrtümlich glaubten, eine garantierte Anlageform gewählt zu haben, sehen sich unerwartet mit der Volatilität von Aktienmärkten konfrontiert. Aktien sind - wie eine geschlossene Fondsbeteiligung - eine unternehmerische Beteiligung mit dem jeweils maximalen Risiko des Totalverlusts, aber auch einem erheblichen Wertsteigerungspotential.

Die gestärkte Position der CIG Wireless durch eine nachhaltige Finanzierung über die Börse sowie ein erfahrenes und gut aufgestelltes Management könnten den an den CIG beteiligten Fonds 2, 5 und 9 die Teilnahme an einer verbreiterten Wertschöpfungsbasis und damit eine finanzielle Gesundung ermöglichen, die sie aus eigener Kraft nicht mehr erreichen würden. Ebenso positiv ist meiner Meinung nach die Kreditvereinbarung mit Macquarie zu bewerten - auf diese Weise ist die zwingend notwendige Liquidität gesichert.

Nach dem für Sommer 2013 geplanten Börsengang hätte die Fondsgeschäftsführung Gelegenheit, sich bis zur Gesellschafterversammlung ein Bild von der Entwicklung des Aktienkurses zu machen. Auf dieser Grundlage könnte dann eine sachgerechte Entscheidung darüber getroffen werden, ob die Option zur Umwandlung in Aktien ausgeübt wird oder nicht. Über die üblichen Analyseinstrumente lassen sich die Umsätze der ersten Wochen gut einschätzen, zudem sind Aussagen von Börsenanalysten zu erwarten, die eine noch bessere Einschätzung ermöglichen sollten.

Ich fasse zusammen, daß die Anleger, die vor Jahren mit ihren Fondsanteilen unternehmerische Beteiligungen mit allen Chancen und Risiken erworben haben. Laut Vertragswerk - oder Gesellschafterbeschluß - konnten die einzelnen Fonds stets unter anderem auch in Aktien gewandelt werden, ein Exit über einen Börsengang war laut Vertragswerk ebenfalls möglich und denkbar. Sollte die aktuelle Geschäftsleitung entscheiden, die besprochene Aktienoption zu wählen, so muß sie in jedem Fall im Wohle der Anleger handeln. Bis dato hat Stephan Brückl nachweislich im Sinne der Anleger gehandelt, daher halte ich einen im Internet propagierten Austausch der Geschäftsleitung in keinem Falle für empfehlenswert. n

Folgend soll eine neutrale Analyse der Ist-Situation der ehemaligen BAC-Infrastrukturfonds sowie der Handlungsoptionen der Anleger erfolgen. Anleger und Vertriebe sind aktuell stark verunsichert durch tendenziös geführte Internetkampagnen, die mehr Fragen aufwerfen als beantworten.

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