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Investmentanalyse vom 24.04.2012

Hanseatisches Fußball Kontor FTR 2

Hanseatisches Fußball Kontor baut die Angebotsreihe der Fußball-Investments aus. Das Konzept der Spezialfonds ist grundsätzlich überzeugend. Um die Fonds im Markt zu etablieren, braucht es offensichtlich einen langen Atem.

Der Initiator

Die Hanseatisches Fußball Kontor GmbH, Schwerin, bietet nach der Erstemission 2010 nun ihren Folgefonds an. Die Entscheidungsträger, Kai-Volker Langhinrichs und Jörg Zeitz, können langjährige Erfahrungen in der Konzeption und dem Vertrieb geschlossener Fonds vorweisen. Der Vorgängerfonds, FTR 1, wurde Ende 2011 mit einem plazierten Volumen von EUR 337.000 geschlossen, geplant waren EUR 10 Mio. Fonds 1 hat im Februar 2012 EUR 150.000 in ein Portefeuille aus rund 25 finanziellen Transferrechten investiert. Ein erster Spieler wechselte im März von der 3. in die 2. Liga. Der Fonds erhielt dafür eine Abschlagszahlung von EUR 50.000. Weitere Summen sollen im Sommer 2012 fließen, abhängig von der Spielerentwicklung. Damit steht in jedem Fall fest, daß tatsächlich ein Marktzugang besteht. Die Qualität der Investitionen ist aktuell für mich nicht evaluierbar. Für die Anleger aus Fonds 1 soll durch die Minderplazierung kein Schaden entstanden sein, da die Kosten prozentual vereinbart waren.

Der geringe Plazierungserfolg soll auf das erklärungsbedürftige Zielsegment und das schwierige wirtschaftliche Gesamtumfeld der letzten Jahre zurückzuführen sein. Dies ist nachvollziehbar. Der Initiator hat Ende 2011 eine Schuldverschreibung emittiert, die ebenfalls in den vorliegenden Fonds investieren soll. Beim vorliegenden Fonds sind sämtliche Kosten prozentual zum tatsächlichen Emissionsvolumen angesetzt, so daß bei einer eventuellen Minderplazierung keine übermäßigen Kosten entstehen. Auf Fragen im Rahmen der Analyse reagierte der Initiator umgehend und sehr ausführlich.

Schwächen – Noch keine Leistungsbilanz für das Emissionshaus möglich. Fonds 1 wurde deutlich unterplaziert.

Stärken – Entscheidungsträger sind erfahren in der Konzeption und dem Vertrieb von Spezialfonds.

Der Markt

Anders als in anderen Sportarten zählen im Fußball bereits Spieler der 3. Liga zu den Profis, die tatsächlich vom Beruf des Fußballspielers leben können. Fußball als Zuschauersport erlebt auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein Wachstum, ähnlich wie die Unterhaltungsindustrie im allgemeinen.

Fußballprofis können als aktive Spieler zwischen ihrem 20. Lebensjahr und Mitte 30 Geld verdienen. Die aktuelle Liste der Top-50-Marktwerte zeigt Spieler zwischen 21 und 31 Jahren [1].

Wechselt ein Spieler seinen Verein, erhält der den Wechsel vermittelnde Betreuer eine Umsatzbeteiligung. Um in diesem Marktumfeld professionell als Betreuer Fuß zu fassen, gibt es verschiedene Strategien: Ein Betreuer(unternehmen) kann sich auf Spitzenspieler mit internationalem Renommee konzentrieren, auf Spieler mit Aufbaupotential, auf Jungspieler mit Zukunft oder / und auf eine Mischung. Dementsprechend muß der Leistungsumfang auf die Zielgruppe abgestellt werden: Sollen bspw. Jungspieler angesprochen werden, sollte der Betreuer Zugang zu den Eltern als Vertrauenspersonen finden und u. a. auch die schulische Ausbildung des Spielers beeinflussen (können). Abhängig von der Zielgruppe ist ein unterschiedliches Maß an Professionalität auf Beraterebene notwendig. Über das Image einzelner Berater(unternehmen) liegen keine Erhebungen vor. Ein Indiz kann die Qualität der betreuten Spieler sein (Ligazugehörigkeit).

Schwächen – Der Zielmarkt weist zahlreiche Einflußgrößen auf, die schwierig vorhersagbar sind.

Stärken – Der Zielmarkt ist grundsätzlich sehr transparent und bietet ausgezeichnete Renditechancen.

Die Investitionsstruktur

Die Rahmenparameter, zu welchen der Fonds investieren soll, wurden unverändert von Fonds 1 übernommen: Der Fonds wird sich auf Jungspieler zwischen 18 und 23 Jahren fokussieren. Ein Einzeltransferrecht darf nicht mehr als EUR 1 Mio. kosten, insgesamt soll einmalig ein Portefeuille aus 20 bis 30 Rechten aufgebaut werden, mit einem Durchschnittswert von maximal EUR 500.000. Rückflüsse aus Verkäufen sollen umgehend ausgeschüttet werden, der Initiator geht von einer durchschnittlichen Verweildauer von 2 Jahren aus. Zielebene für den Fonds werden im wesentlichen die 2. und 3. europäischen Ligen sein. Diese Portefeuille-Struktur halte ich nach wie vor für sinnvoll.

Die Auswahl der Zielspieler soll durch den Berater Extratime erfolgen. Laut Transfermarkt.de [2] hat das Unternehmen inzwischen 58 Spieler in der aktuellen Betreuung (laut eigener Homepage 40) [3].

Die Akteure bei Extratime (2 Geschäftsführer und 3 Spielerberater / Scouts, sowie freie Mitarbeiter und Netzwerke) kommen aus der Branche: Christoph Leutrum und Thomas Vogel haben unter anderem gemeinsam bis Anfang 2004 für die Sportmanagement-Agentur Rogon gearbeitet. Wie gut der Zugang der Scouts Dimo Wache (bis 2010 Spieler in der 1. Bundesliga), Axel Sundermann und Jan Heuckeroth zur Spielerebene aktuell ist, kann ich nicht beurteilen.

Der Fonds hat als weiteren externen Berater Harald Spörl eingebunden. Spörl, bis Ende 2010 Scout für den Hamburger SV, soll die Vorschläge von Extratime abschließend beurteilen. Für den Fonds entstehen durch den Einsatz Spörls keine Kosten, er wird direkt von der Komplementärin entlohnt.

Um die Kaufentscheidung für die Anleger nachvollziehbar zu machen, werden zu jedem Zielspieler Akten mit Videoaufnahmen und Einzelaspektanalysen erstellt. Da Extratime, parallel zum Fondsmanagement, den größten Teil der Entlohnung erfolgsabhängig erhält, sehe ich eine hohe Leistungsmotivation gegeben.

Stärken – Sinnvolle Portefeuille-Struktur. Berater sind etabliert und werden erfolgsabhängig entlohnt.

Das Konzept

Der Initiator legt eine Transferanalyse (2005 bis 2011) vor, die Daten basieren auf Angaben der etablierten Seite Transfermarkt.de. Der Analyse zufolge liegt die historische Wahrscheinlichkeit, die 100 %-Schwelle zu überschreiten, bei 62,68 % [4]. Für den Fonds wurde eine wirtschaftliche Ausfallquote von 20 % veranschlagt. Mit dieser Quote sind vor allem Spieler eingepreist, die bspw. im Verein verbleiben und keinen Transfererlös erzielen.

Grundsätzlich handelt es sich um einen Blind-Pool-Fonds. Der Datenbestand zu den möglichen Zielspielern ist sehr transparent [5], die Schwierigkeit liegt im tatsächlichen Zugang. Bei einer geplanten Fondslaufzeit bis Ende 2015 soll der Anleger kumulierte Rückflüsse von 140 % (vor Steuern) erhalten.

Im Vergleich zu Fonds 1 wurde die Kostenstruktur deutlich verändert: Die Quote der Initialkosten liegt durch die nun marktüblichen Vertriebsprovisionen bei 17,14 % (incl. Agio) (war: 13,3 % incl. Agio). Die laufenden Kosten fallen mit 2,95 % (war: 2,66 % p. a.) relativ hoch aus. Darin enthalten sind 1,1 % p. a. für den externen Berater, der einen hohen Arbeitsaufwand haben dürfte. Die Investitionsquote liegt nun bei bescheidenen 80 % (incl. Agio) (war: 81,9 % incl. Agio). Auf der anderen Seite ist der Anbieter später am Erfolg beteiligt: Die Gewinnschwelle für die gestaffelte Beteiligung liegt nun bei 200 % (Rückführung der Investition ohne Agio plus Ausschüttung), anstelle der 170 % von Fonds 1.

Insgesamt wirkt das Fondskonzept durchdacht, die Hauptschwierigkeit sehe ich tatsächlich auf Vertriebsebene. Da beim FTR 2 keine Rückabwicklungsoption eingeräumt ist und nun marktübliche Provisionen gezahlt werden, soll der Fonds sich nun besser plazieren als der Vorgänger.

Schwächen – Noch kein bewertbarer Leistungsnachweis aus Fonds 1.

Stärken – Attraktiver und sehr transparenter Zielmarkt. Nachrangige Beteiligung des Initiators am Fondserfolg. Keine Fremdfinanzierung.

Die Zielgruppe

Fußballfonds sind bei aller Transparenz des Zielmarktes dennoch Spezialfonds. Das Marktumfeld ist grundsätzlich sehr gut, wie sich auch an den gestiegenen Durchschnittswerten der Zielgruppe seit 2010 sehen läßt. Auch in wirtschaftlich schwachen Zeiten zeigen die Zuschauerzahlen keinen Einbruch, getreu dem Motto „panem et circenses“. Ein Portefeuille aus überdurchschnittlich begabten Spielern aufzubauen, dazu gehört auf Beraterebene ein sehr geschicktes Händchen. Da die Zielinvestments, die Spieler, in vieler Hinsicht sehr mobil sind, muß der Betreuer / Berater Höchstleistungen bringen. In diesem Sinne ist eine hohe Gewinnbeteiligung des externen Beraters vertretbar. Da dieser aber kaum Risiken tragen muß, ist das Angebot vor allem für risikobewußte Investoren gestrickt. Wenn diese auch noch fußballinteressiert sind, wie über 20 % der Bevölkerung, kann das Angebot einen attraktiven Zugang zum Markt ermöglichen.

Summa summarum

halte ich das Angebot ,,FTR 2" der Hanseatisches Fußball Kontor GmbH, Schwerin, für sehr gut. Das Fondskonzept ist grundsätzlich solide erarbeitet, das Marktumfeld attraktiv und für den Anleger nachvollziehbar. Wenn, wie vom Anbieter angekündigt, die Vertriebsschwierigkeiten von Fonds 1 geheilt sind, hat die Fondsreihe durchaus Chancen, sich im deutschen Markt zu etablieren. Das Angebot verdient meiner Meinung nach eine Bewertung mit ,,sehr gut" (1-).

[1] Diese und alle weiteren Quellenangaben finden Sie auf www.werteanalysen.de. Geben Sie dazu im Suchfeld # 473 ein.

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