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Zahlen und Fakten

Initiator: Green Energy

Investitionszweck: Errichten eines Geothermiekraftwerks im Molassebecken und Ver-äußerung nach erfolgtem Probelauf

Fertigstellung: 2011

Nennleistung: 8 Megawatt

Mindestzeichnung: EUR 15.000 plus 5 % Agio

Laufzeit: durch Anleger erstmals zum 31. 12. 2013 kündbar

Kommanditkapital: EUR 59,985 Mio. zzgl. 5 % Agio

Fremdkapital: nein

Ausschüttungen: kumuliert bis zu 176,6 % (geplanter Verkaufserlös bis zu 157,8% im Jahr 2013)

Rendite (IRR): prognostiziert 9,4%

Weichkosten: 14,3% incl. Agio

Kostensteigerungsrate: 2% p. a.

Investitionsquote: 85,35%

Liquiditätsreserve: EUR 212.000

Plazierungsgarantie: nein

Wertgutachten: nein

Alleinstellungsmerkmale: Offenbar keinerlei nachweisbare Vertragspartner; weder Baufirma, Bank noch Bohrfirma können namentlich benannt werden. Es liegen noch keine Bergrechte vor, mögliche Standorte sollen lokalisiert sein. Da noch keine Probebohrungen vorgenommen wurden, liegt ein Fündigkeitsrisiko vor.

Bewertung: 5 (Notenskala)

Investmentanalyse vom 10.12.2007

Green Energy Geotherm Opportunity Fonds

Auch um den zweiten Fonds des Initiators Green Energy sollten Anleger einen großen Bogen machen: Das gesamte Zahlenwerk ist unplausibel, sämtliche investitionsrelevanten Prämissen fehlen. Insgeamt ein wirtschaftlich unrealistisches und hochspekulatives Angebot, ähnlich dem Vorgängerfonds, der derzeit die Staatsanwaltschaft Hannover beschäftigt.

Der Initiator

Die Green Energy Emissionshaus GmbH, gegründet 2002, tritt als Initiatorin des vorliegenden Angebots auf. Es handelt sich um ihr zweites Angebot im Bereich Geothermie. Das Erstlingswerk aus dem Jahr 2005 war meines Erachtens nicht plazierungsreif. Laut vorliegendem Prospekt befindet sich der Erstfonds noch in der Plazierung. Der Initiator weist in den Emissionsunterlagen keinerlei Expertise im Spezialgebiet Geothermie nach. Auch sind keinerlei externe Partner mit der so essentiellen Fachkenntnis angebunden. Der Außenauftritt hat sich seit dem Vorgängerfonds deutlich verbessert und wirkt professionell.

Schwächen – Keinerlei Fachwissen im Investitionsgebiet. Vorgängerfonds war nicht plazierungsreif.

Note für Außenauftritt – B.

Der Prospekt

Mit 82 Seiten fällt der BaFin-geprüfte Prospekt relativ schlank aus. Optisch und inhaltlich ist er wenig ansprechend. Formal ist er korrekt. Der Initiator kommuniziert offen das Fehlen sämtlicher investitionsrelevanter Prämissen.

Schwächen – Der Prospekt nützt die Unzulänglichkeiten der rein formalen BaFin-Prüfung aus und glänzt dadurch, daß die Mängel des Angebots offen kommuniziert werden.

Der Standort

Die Aussagen im Prospekt zum Mesostandort sind im Grundsatz richtig: Tatsächlich kann das Molassebecken als Bohrstandort geeignet sein. Doch wo konkret im Molassebecken soll gebohrt werden? Wenn bereits ein Antrag gestellt worden ist: von welcher Firma, wann, welches Aktenzeichen, welches Cluster? Es gibt Karten, in denen alle Anträge und Bewilligungen eingetragen sind. Warum liegen diese Karten denn nicht bei? Ein Energie-Atlas, wie ihn der Initiator bewirbt, kann ein exzellentes Marketinginstrument sein. Das Vorliegen eines konkreten Grundstücks mit einer durch eine Probebohrung nachgewiesenen wirtschaftlich ausreichenden Fündigkeit kann er aber nicht ersetzen.

Die Anlage

Der Initiator plant den Bau einer Anlage mit einer Nennleistung von 8 MW. Ob es sich hierbei um eine thermische oder elektrische Nennleistung handeln soll, darüber schweigt er sich aus. Die geplante Bohr- und Kraftwerkstechnik wird nicht konkret beschrieben. Da es verschiedene Verfahren gibt, kann hier noch nicht einmal von einer Grobplanung gesprochen werden, was dementsprechende Planungsrisiken für den Anleger impliziert. Das Kraftwerk soll nach 24monatigem Probelauf veräußert werden. Die angesetzte Kostenstruktur ist laut Expertenaussage äußerst fehlerhaft: Ein 8-MW-Kraftwerk (elektrische Leistung) kann, wenn es wirtschaftlich weiterbetrieben werden soll, einen max. Verkaufspreis von EUR 35 Mio. erzielen. Die avisierten EUR 90 Mio. dürften völlig utopisch sein. Für das Grundstück wird ein zu geringer Einkaufspreis von EUR 20 - 25 / qm angenommen, eine Umzäunung hingegen soll statt tatsächlicher rund EUR 100.000 den 3fachen Preis kosten. Ebenso sind die Außenanlagen völlig überteuert. Dafür wurden die Kosten für einen Netzanschluß vergessen. Ein 8-MW-Kraftwerk soll bei einer realistischen Kalkulation in der Errichtung rund EUR 28 Mio. kosten, incl. Bohrung und Verrohrung. Das Projektmanagement wird beim vorliegenden Fonds zweimal berechnet. Die Kosten für Gutachten und Analysen dürften bei tatsächlichen EUR 300.000 liegen, sind also mit EUR 600.000 deutlich zu hoch veranschlagt. Fraglich ist vor allem auch, mit welchen Fündigkeitswerten gerechnet werden soll. Im Prospekt werden keine Aussagen über die erwartete Temperatur und Durchflußmenge getroffen. Die erwar-tete Laufzeit von 8.000 h/a ist dem Experten zufolge ebenfalls unrealistisch. Korrekt wäre ein Wert von rund 7.200 h/a bzw. max. 5.000 h/a während der Probephase.

Schwächen – Ganz offensichtlich ist das gesamte Zahlenwerk mangelhaft bzw. nicht plausibel.

Die Partner

Im Prospekt werden keine konkreten Partner genannt. Die Notwendigkeit, bspw. einen Generalunternehmer zu verpflichten sowie Versicherungen abzuschließen, wird erläutert. Verträge sind derzeit aber noch nicht abgeschlossen. Dies ist auch nicht möglich, solange kein Grundstück mit einer erfolgreichen Probebohrung vorliegt. Laut Aussage namhafter Initiatoren, die ebenfalls im Bereich Geothermie tätig sind, gewähren deutsche Banken grundsätzlich keinerlei Finanzierung, ehe nicht eine erfolgreiche Probebohrung erfolgt ist. Uns bekannte Initiatoren haben diesen Investitionsschritt jeweils über eine Venture-Capital-Investition abgedeckt. Erst im zweiten Schritt wird aus der Anlage ein Publikumsfonds generiert. Höchst ungewöhnlich ist das Fehlen all dieser essentiellen Angaben, da der Anleger auf diese Eckparameter als Entscheidungsgrundlage angewiesen ist. Sämtliche anderen wesentlichen Vertragspartner (Treuhandkommanditistin, technischer Dienstleister, Komplementärin) sind im Eigentum des Initiators, namentlich des Hrn. Dr. Matthias Michael. Namhafte und unabhängige Partner wären für einen Anleger bei einem dermaßen schwammigen Angebot zumindest teilweise Garanten für Seriosität.

Schwächen – Das Fehlen konkreter Fachpartner weist deutlich auf die Unmöglichkeit hin, das vorliegende Konzept umzusetzen.

Das Konzept

Ein Geothermiekraftwerk im Molassebekken, ein wirtschaftlich unsinniges Zahlenwerk - das ist der Angebotsrahmen, in welchen der Anleger investieren soll. Zum Zeitpunkt der Prospektherausgabe fehlen sämtliche entscheidungswichtige Fakten: So liegt kein Grundstück vor, damit auch keine nachgewiesene, wirtschaftlich einwertbare Fündigkeit. Es stehen keine Vertragspartner für Bau und Finanzierung zur Verfügung. Bei diesem Angebot ist offensichtlich, daß für den Anleger nur eine scheinbare Sicherheit durch eine rein formale Bafin-Prüfung gegeben ist. Für das Konzept ist eine Laufzeit bis Mitte 2013 geplant. Dann soll das Kraftwerk nach 24monatiger durchlaufener Probephase verkauft werden. Die prognostizierten Kostensätze sind nach Aussagen eines ausgewiesenen Experten sämtlich utopisch und unlogisch. Die Weichkosten fallen mit rund 14,3 % (incl. Agio) augenscheinlich unterdurchschnittlich aus. Allerdings halte ich eine Geschäftsführungsgebühr von EUR 400.000 p. a., die auch in Verlustjahren zu zahlen ist, für überzogen. Zumal bei einem Projekt, dessen wirtschaftliche Zukunft mehr als zweifelhaft ist. Dazu kommt noch eine sehr hohe Treuhandgebühr an eine Initiatortochter von EUR 120.000 p. a. Insgesamt läßt die Kombination aus schwammigen Aussagen und fehlenden Eckparametern meiner Meinung nach massive Zweifel an der Angebotsqualität aufkommen. Ein derartiges Angebot führt in meinen Augen zum Verbrennen von Anlegergeldern. Daher warne ich ausdrücklich vor diesem Fondsangebot. Im Vergleich zum Vorgängerfonds ist die Aufmachung beim vorliegenden Angebot deutlich professioneller. Die Kostenstruktur war beim Vorgängerfonds deutlich teurer, Andeutungen bezüglich bestehender Partner fehlen dieses Mal. Dies ändert aber nichts an der gleichen indiskutablen Qualität wie beim Vorgängerfonds.

Schwächen – Wirtschaftlich unrealistisches und hochspekulatives Angebot.

Summa summarum

halte ich das Angebot „Geotherm Opportunity Fonds“ der Initiatorin Green Energy für höchst bedenklich. Das hochinteressante, sich gerade erst entwickelnde Investitionsfeld der Geothermie kann durch solche Konzepte nur bleibenden Schaden nehmen. Die Konzeptqualität hat sich augenscheinlich nicht gebessert. Ob das „gerüttelt Maß an hochmotivierter Unwissenheit“ aus dem Vorgängerfonds beim vorliegenden Angebot noch attestierbar ist oder ob hier bereits kriminelle Energie am Werk ist, darüber ließe sich streiten. Das Angebot hat in meinen Augen eine Bewertung mit „5“ (indiskutabel) verdient.

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