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Zahlen und Fakten

Initiator: Turkon

Investitionsgegenstand: MS „ORKUN KALKAVAN“ und MS „KASIF KALKAVAN“

Nutzungsart: Vollcontainerschiffe mit je 1.155 TEU (Feedermax-Klasse)

Hersteller: Sedef Shipbuilding Inc., Istanbul

Fertigstellung/ Übergabe: 2002 und 2001/ 10. 2005

Charterer: Turkon Line, Istanbul

Reeder: Kalkavan Shipmanagement GmbH & Co. KG, Hamburg

Charterdauer: 12 Jahre

Mindestzeichnungssumme: EUR 15.000 zzgl. 5% Agio

Geplante Laufzeit: 13,4 Jahre, früheste Kündigung durch Anleger zum 31.12.2019

Gesamtinvestition: EUR 52,46 Mio. zzgl. 5% Agio

Emissionskapital: EUR 5,03 Mio. zzgl. 5% Agio

Fremdfinanzierung (66,5%): EUR 34,72 Mio., 2010 zu 50% getilgt; zzgl. Verkäuferkredite (quasi EK-Zwischenfinenzierung), getilgt Ende Feb. 2007

Geplante Ausschüttungen: 7% p.a. (ab 2007), steigend auf 10% p.a. (2018) Schlußausschüttung 136% (2019), kumuliert 248%,

Verkaufserlös: Minimum vereinbart 28%

Weichkosten (incl. Agio): 14,76% (bez. auf gesamtes Kommanditkapital) 23,57% (bez. auf Emissionskapital), 2,8% (bez. auf GK)

Prognostizierte Kostensteigerungsrate: 2,5% p.a. (ab 2007)

Gutachten: Zu technischer Qualität, Einkaufspreis und Markt

Plazierungsgarantin: Turkon Holding, Istanbul

Treuhandkommanditistin: Fremdfirma

Alleinstellungsmerkmale: Andienungsrecht zum Verkauf der Schiffe in 2019 an den Charterer zu 28% des EK, abgesichert durch Verkäuferin. Wechselkurs- und Zinsänderungsrisiko bis Ende 2015 über Hedging abgesichert. Verkäuferin, Emissionshaus, Reeder und Charter werden alle durch eine einzelne Familie kontrolliert.

Bewertung: 2 (Notenskala)

Investmentanalyse vom 04.07.2006

Turkon Orka Kalvakan

Familienunternehmen mit langer Schiffahrtstradition betritt mit diesem innovativen Konzept den deutschen Markt.

Der Initiator

Gegründet 2004, ist die Turkon Emissionshaus GmbH, Hamburg, ein junger Schiffsfondsanbieter. Nach zwei Privatplazierungen handelt es sich beim vorliegenden Angebot um den ersten Publikumsfonds. Problematisch können in meinen Augen die Personalverflechtungen sein: die Turkon Holding, Türkei, ist indirekt kontrolliert von einer einzigen Familie. Diese stellt auch den Reeder/ Charter und ist zugleich Verkäuferin der Schiffe. Und haftet für das Andienungsrecht in 2019 - an sich selbst. Positiv ist grundsätzlich die 100jährige Schiffahrtstradition jener beherrschenden Familie. Sie spricht für eine profunde Expertise. Der Außenauftritt ist sehr dynamisch und professionell.

Schwächen - Das vorliegende Angebot ist der erste Publikumsfonds. Eine Leistungsbilanz existiert für diesen Anlagebereich noch nicht. Ungewöhnliche Personalverflechtungen. Stärken - Konzernmutter mit langer Schiffahrtstradition.

Note für Außenauftritt - B

Der Prospekt

Mit 140 Seiten fällt der Prospekt umfangreich aus. Das Angebot ist detailliert dargestellt und optisch ansprechend gestaltet. Die Sprachführung ist verständlich.

Stärken - Gut gestalteter Prospekt, inhaltlich ausführlich und verständlich.

Der Markt

Der Containermarkt weist ein seit Jahren stabiles, allerdings zyklisches Wachstum auf. Als Motor dafür sehen Prognosen übereinstimmend ein weiteres Weltwirtschaftswachstum. Container sind als internationales Transportmittel mittlerweile Standard. Das überseeische Transportvolumen steigt auf Grund einer stabilen internationalen Nachfrage (speziell aus Asien) konstant mit zweistelligen Raten an. Der Bedarf an neuen Containerfrachtern steigt parallel, hier werden vor allem (44%) großvolumige Frachter (über 4.000 TEU) bestellt. Grundsätzlich durchläuft der Containermarkt Preiszyklen, wie alle anderen Märkte auch. Derzeit sind die Charterraten im kurzfristigen Mittel noch vergleichsweise hoch, wenn auch seit Ende 2004 deutlich im Rückgang. Im 10-Jahres-Mittel sind die derzeitigen Charterraten vergleichsweise teuer. Auf Grund eines prognostizierten Weltwirtschafts- und Containermarktwachstums sollten sich die Charterraten auf einem hohen Mittelwert einpendeln. Das Handysize-Segment wird derzeit von rund 535 Schiffen bedient. Mit einem Nettowachstum von rund 4,5% p.a. in diesem Segment liegt das Wachstum deutlich unter den Prognosezahlen für den Containermarkt.

Schwächen - Abhängigkeit von weltweiten politisch-ökonomischen Entwicklungen.

Stärken - Langfristig stabil wachsendes Marktumfeld.

Die Objekte

Die MS „ORKUN KALKAVAN“ und MS „KASIF KALKAVAN“ sind moderne Vollcontainerschiffe. Mit je 1.155 TEU fallen sie in die Handysize-Klasse (bis 1.999 TEU). Die Schiffe wurden 2002 bzw. 2001 fertig gestellt und im Oktober 2005 übergeben. Die Restlebenserwartung der Schiffe liegt laut Gutachten bei 22 bzw. 21 Jahren. Der Zustand der Schiffe wird als hervorragend, der Schiffsentwurf als modern und gut optimiert bezeichnet. Der Kaufpreis liegt laut gutachterlicher Aussage unter dem aktuellen Marktwert. Die durchschnittliche vereinbarte Charterrate (bis 2017) von EUR 9.880/ Tag liegt über dem langfristigen Marktmittel. Ab Charterende extrapoliert der Initiator die Charterraten unverändert. Hier fehlt m. E. ein Sicherheitsabschlag. In 2019 können die Schiffe über ein Andienungsrecht an den Charterer zu einem für das Alter üblichen Faktor von 28% verkauft werden. Sollte am Markt ein höherer Preis erzielbar sein, würde der Mehrerlös zwischen Fondsgesellschaft und dem Charterer geteilt werden.

Schwächen - Es fehlen übliche Sicherheitspuffer.

Stärken - Moderne Vollcontainerschiffe in exzellentem Zustand in einer Klasse mit steigendem Nachfrageüberhang.

Die Partner

Der Charterer, die Turkon Line, Istanbul, wurde 1997 gegründet und wird von Dynamar mit einer „4“ geratet. Die Linie verwendet ein innovatives Container-System, das zu einer besseren Auslastung des Stauraums führt. Die Werft, die Sedef Shipbuilding Inc., Istanbul, gegründet 1957, ist seit 2000 in alleinigem Eigentum der Turkon Holding. Die Verarbeitungsqualität der Werft wird durch die Schiffsgutachten bestätigt. Der Reeder, die Kalvakan Shipmanagement GmbH & Co. KG, Hamburg, ist ebenfalls eine Tochter der Turkon Holding (Bilanzsumme 2005: USD 436 Mio.). Sämtliche wichtigen Vertragspartner laufen über die Turkon Holding bei der Familie Kalkavan zusammen, die seit mehr als 100 Jahren im Bereich Schiffahrt etabliert ist. Ich halte eine derartige Verquickung für potentiell gefährlich aus Sicht des Anlegers.

Schwächen - Sämtliche Vertragspartner laufen in den Händen einer Familie zusammen.

Stärken - Etablierte und traditionsreiche Partnerunternehmen.

Das Konzept

Der Anleger soll in die modernen Vollcontainerschiffe MS „OR-KUN KALKAVAN“ und MS „KASIF KALKA-VAN“ investieren. 2002 / 01 fertig gestellt, sind die 1.155 TEU-Schiffe der Feeder-Klasse im Oktober 2005 in das Eigentum der Beteiligungsgesellschaft übergegangen. Durch einen Gutachter wurden der Einkaufspreis als sehr günstig und der technische Zustand als hervorragend bestätigt. Der Initiator prognostiziert über 13,4 Jahre kumulierte Ausschüttungen von 248%. Mit rund 14,76% Weichkostenanteil (bez. auf öffentliches Kommanditkapital, incl. Agio) liegt der Kostenfaktor unter dem Marktdurchschnitt. Die Fremdfinanzierungsquote fällt dagegen mit rund 66,5% relativ niedrig aus. Die Vertragspartner sind sämtlich etablierte und international namhafte Unternehmen. Sämtliche Partner (Reeder, Charterer, Verkäufer) werden indirekt von einer einzigen Familie kontrolliert. Diese ist als Verkäuferin mit einem Eigenanteil von EUR 4,8 Mio. investiert. Gleichzeitig haftet die Familie für das Andienungsrecht zum Verkauf der Schiffe an den Charterer (also indirekt an sich selbst) in 2019. Die angenommene Kostensteigerungsrate fällt mit 2,5% p.a. (ab 2007) überdurchschnittlich aus, was positiv ist. Die Prognosen sind insgesamt wenig konservativ. Die gerechneten Anschlußcharterraten wurden unverändert extrapoliert. Der Markt wird zwar allgemein als stabil wachsend eingeschätzt. Dennoch hat sich der Containermarkt in der Vergangenheit als volatil erwiesen. Das Marktumfeld ist sehr gut, wenn auch schlecht einschätzbar, da hohe Abhängigkeiten von weltweiten politischen und ökonomischen Entwicklungen bestehen. Positiv ist die ungewöhnlich lange Vercharterung über 12 Jahre. Offensichtlich will die Familie Kalkavan mit dem vorliegenden Angebot den deutschen Markt betreten. Der Anteil des öffentlichen Emissionskapitals ist im Vergleich zum Gesamtvolumen klein. Damit ist für mich offenkundig, daß der Initiator lautere Absichten hegt, um sich zu positionieren.

Schwächen - Schlecht einschätzbarer Markt. Partnerunternehmen sind sämtlich von einem Konzern beherrscht.

Stärken - Lange Vercharterung. Hohe Verkäuferbeteiligung. Andienungsrecht zum Verkauf an Charterer.

Summa summarum

halte ich das aktuelle Angebot „Orka Kalkavan“ des Initiators Turkon für gut. Der professionelle Auftritt des Initiators verdient eine B. Die Fondskonzeption ist innovativ. Durch die direkte Verkäuferbeteiligung ist ein nachvollziehbares Interesse an einem erfolgreichen Fondsverlauf gegeben. Die Expertise der Konzernmutter ist offensichtlich. Als Schwäche können sich im Zweifelsfall die Verflechtungen der Hauptvertragspartner erweisen. In meinen Augen hat das vorliegende Angebot eine Bewertung mit „gut“ (2) verdient.

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