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Zahlen und Fakten

Initiator: Deutsche Edelfisch GmbH & Co. II KG

Investitionsfokus: Produktion von Zander über Aquakulturen (Hallen-Kreislaufanlage) in Mecklenburg-Vorpommern

Investitionsstruktur: Genußrechte an der Deutschen Edelfisch DEG GmbH & Co. II KG

Steuerliche Struktur: Einkünfte aus Kapitalvermögen

Mindestanlagesumme: EUR 1.000 zzgl. 5 % Agio

Mindestlaufzeit: geplant bis 31. 12. 2025

Plazierungsfrist: bis 23. 10. 2018

Emissionskapital: EUR 8,9 Mio. zzgl. 5 % Agio

Gesamtkapital: geplant EUR 11,545 Mio.

Mindestkapital: nein

Fremdkapital: nein

Fördermittel: geplant EUR 2,2 Mio.

Basisverzinsung: geplant 3 bis 8 % p. a. (ab 2022), kumuliert 178 %, durchschnittlich 7,54 % p. a. Gewinnbeteiligung

Weichkosten: 15,71 % (incl. Agio)

Investitionsquote: rund 75 % (excl. Liquidiätsreserve)

Liquiditätsreserve: EUR 876.500

Plazierungsgarant: nein

Wirtschaftsprüfer: nicht genannt

Alleinstellungsmerkmale: Investition in die Aufzucht und den Verkauf von Edelfisch über eine innovative Kreislaufanlage. International renommierte Fachleute, die direkt am Unternehmenserfolg partizipieren. Exzellentes Marktumfeld. Fehlendes Vertriebsnetz. Konzept ist bereits grundsätzlich über Referenzanlage erfolgreich erprobt.Vertriebsnetz steht nach 1 Jahr immer noch nicht. Projektleiter hat sich als unzuverlässig und unseriös erwiesen.

Bewertung: 5 (Notenskala)

Investmentanalyse vom 01.10.2018

Deutsche Edelfisch – Genußrecht

Die Deutsche Edelfisch bietet Anlegern eine indirekte Beteiligung an einer Zanderzucht im Nordosten Deutschlands an. Das Besondere an den Projekten ist der ausgeprägte Nachfrageüberhang nach dem produzierten Gut. Die mangelhafte Kommunikationsqualität der Projektverantwortlichen sollte mögliche Anleger abschrecken.

Die Anbieterin

Anbieterin des Beteiligungsdarlehens ist die Deutsche Edelfisch DEG Capital GmbH, Berlin. Hinter dieser steht als Gesellschafterin die ZKSC Management AG, Meggen/CH. Diese wurde 2012 gegründet, der eingetragene Unternehmenszweck besteht in der Projektentwicklung im Bereich Immobilien. Vertretungsberechtigte sind Hans Joachim Acksteiner, der gleichzeitig auch die Geschäftsführung der Emittentin inne hat, und Yvette Sindilariu-Kurrek. Diese ist augenscheinlich die Ehefrau von Dr. Paul-Daniel Sindilariu, der mit seiner fachlichen Expertise federführend für das Konzept ist. Sindilariu ist Direktor für Aquakultur im Tropenhaus Frutigen (siehe „Die Expertise“). Acksteiner ist Miteigentümer der Gesellschafterin. Die Emittentin wurde 2014 gegründet, die Bilanz 2015 ist nicht aussagekräftig. Aktuell wurde ein Vorgängerkonzept an einen Privatinvestor veräußert. Dieses befindet sich in der Bauvorbereitung, ebenfalls in Mecklenburg-Vorpommern. Als Emittentin kann die Deutsche Edelfisch DEG Capital GmbH keine überzeugende Historie vorweisen. Bezogen auf das Nischengebiet Aquakultur liegt andererseits eine sehr überzeugende Expertise vor; die Zielregion Mecklenburg-Vorpommern wurde über mehrere Jahre vorbereitet über Forschungskooperationen und eine Referenzanlage, die vom Staat finanziert wird.

Die Anbieterin weist zwei massive Schwächen auf: Der Vertrieb ist nach rund 1 Jahr immer noch nicht aufgebaut, daher besteht die große Gefahr einer Totgeburt. Zweitens zeigt Hr. Acksteiner als Projektverantwortlicher die in meinen 15 Jahren Tätigkeit schlechteste Kommunikationsqualität aller Anbieter auf. Noch nie habe ich erlebt, daß nach monatelanger mangelhafter Kommunikation ein Entscheidungsträger schriftliche Verträge gebrochen hat. Erlebe ich Derartiges, kann ein potentieller Anleger im Zweifel viel unangenehmere Erfahrungen machen. Da die Anbieterin im Bereich Kommunikation durch jeden Belastungstest gefallen ist, kann ich nur ausdrücklich vor einer Beteiligung warnen.

Schwächen – Vertriebsnetz steht immer noch nicht. Anbieterin kommuniziert mangelhaft und hat einen Dienstleistungsvertrag gebrochen.

Stärken – Anlagekonzept ist bereits erprobt. International etablierte Fachleute als Projektpartner.

Die Investition

Das Marktumfeld weist mehrere außergewöhnliche Parameter auf: Neben einer weltweit steigenden Nachfrage nach Zander schrumpft das Angebot in Europa dank Überfischung. Aquakulturen in Meeresbuchten bringen massive Gefahren für die Umwelt mit sich, auch die Qualität der Fische ist suboptimal. Die Kaufpreise sind hoch; eine Züchtung ist schwierig und nur unter sehr professionellen Bedingungen möglich; Zander überzeugt mit einem sehr guten Futter-Ertrags-Verhältnis. Die Deutsche Edelfisch wird Zander in einer geschlossenen Kreislaufanlage in Mecklenburg-Vorpommern züchten. Dabei sollen keinerlei Abwässer anfallen, da sämtliche Ausscheidungen der Fische ausgefiltert werden. Über Geothermiepumpen – parallel zu den Grundwasserpumpen – soll eigener Strom erzeugt werden, so daß die Anlage quasi völlig autonom wäre. Als sehr ansprechend empfinde ich den quasi ewigen geschlossenen Kreislauf der Anlage. Dank der permanenten Filtration über Bioreaktoren und der Anreicherung mit Sauerstoff und Nährwerten entfällt die Notwendigkeit einer Frischwasserzufuhr – wie sie beispielsweise in Frutigen erfolgt. Das Marktumfeld ist offensichtlich sehr positiv: Werden für den Endverbraucher – laut einfacher Internetrecherche – für ein Kilo Frischfisch zwischen EUR 18,50 und EUR 34,50 aufgerufen, so liegt die Deutsche Edelfisch mit geplanten EUR 12 für den Endverbraucher deutlich unter diesem Korridor. Für gewerbliche Kunden werden zwischen EUR 8 und EUR 10 prognostiziert. Damit ergeben sich ausreichende Sicherheitsreserven in der Planung. Geht man von den erwarteten 500 bis 2.000t Ertrag aus der Züchtung aus, wird die Deutsche Edelfisch eine ernstzunehmende Marktposition erringen – der jährliche Fangertrag für Westeuropa soll bei rund 456t/Jahr liegen. Spannend am Konzept ist auch das unerschöpfliche Potential: Mit der Erfahrung und den künftigen Referenzanlagen lassen sich beliebig Konzeptkopien errichten – und das weltweit.

Stärken – Marktumfeld weist für eine Investition optimale Bedingungen auf. Sehr stimmiges und durchdachtes Investitionskonzept.

Die Expertise

Mit Dr. Paul-Daniel Sindilariu verfügt die Emittentin – bzw. deren Schweizer Gesellschafterin – über einen international etablierten und renommierten Wissenschaftler aus dem Bereich Aquakultur. Er ist einer der Direktoren der „Tropenhaus Frutigen AG, CH“, die berühmt ist für „echten Schweizer Kaviar“. Aus den Erfahrungen der Störzucht in Frutigen lassen sich viele Aspekte für das Anlagekonzept nutzen, da in Frutigen neben Stör auch Zander in Aquakultur gezüchtet wird. Sindilariu hat in Agrarwissenschaften – Fachbereich Fischwirtschaft – promoviert. Eine einfache Internetrecherche zeigt eine umfangreiche Veröffentlichungsliste, so daß für das Anlagekonzept eine sehr gute Kombination aus theoretischer und praktischer Erfahrung zur Verfügung steht. Dazu kommt Dr. Carolin Hobler, Tierärztin, die bis Mitte 2017 die Geschäftsführung der Deutschen Edelfisch Capital GmbH verantwortete. Parallel zu den Erfahrungen aus Frutigen liegen Erkenntnisse aus einer Referenzanlage in Mecklenburg-Vorpommern – hier wird ebenfalls Zander gezüchtet – vor. Zudem existiert eine konzeptuelle Vorgängeremission, die von einem privaten Einzelinvestor übernommen wurde. Diese befindet sich in der Bauvorbereitung, so daß hier zumindest Erfahrungen aus dem Umgang mit den Behörden vor Ort vorliegen.

Für den Vertrieb liegt im Haus keinerlei Expertise vor. Nach rund einem Jahr sind immer noch keine ausreichenden Strukturen etabliert, um dieses sehr spannende Konzept rasch umsetzen zu können. Die anfänglich schleppende Kommunikation hat sich über die Monate weiter verschlechtert.

Schwächen – Keinerlei Expertise in Vertrieb oder Außenkommunikation.

Stärken – Herausragende Expertise im fachlichen Bereich.

Das Konzept

Das Anlegerkapital wird als Genußrecht in eine zu errichtende Zanderzucht als Kreislaufanlage fließen. Ein Anleger nimmt damit am Projekterfolg teil. Das Anlegerkapital wird als Eigenkapital gewertet und wäre im Insolvenzfall nachrangig zu behandeln. Ein Anleger stünde damit an letzter Stelle aller möglichen Anspruchsteller. Allerdings ist auf Projektebene keinerlei Fremdkapital vorgesehen; die Fördermittel (EUR 2,2 Mio.) aus EU-Töpfen müssen nicht zurückgezahlt werden.Die der Emittentin als Genußrecht zufließenden Eigenmittel unterliegen vertraglich fixierten Verwendungskriterien; eine externe Mittelverwendungskontrolle ist nicht installiert.

Bei einer Mindestlaufzeit bis Ende 2025 erhält der Anleger einen Basiszins von 3 %, steigend auf 8 % p. a. (ab 2022). Diese Verzinsung ist attraktiv, zumal noch ein Bonuszins möglich ist – bis zu 3 % Zusatzzins.

Die Investitionsquote fällt mit rund 75 % augenscheinlich niedrig aus. Da aber von der hohen Liquiditätsreserve laufende Betriebskosten gezahlt werden sollen, fließt diese de facto in die Investition. Unter dem Strich sind die Prognosen derart konservativ gerechnet und das Marktpotential derart groß, daß der Kostenaspekt in den Hintergrund treten kann. Auch die hohen Vertriebskosten sind kein Thema. Tatsächlich sind sie notwendig, da ein derartiges Nischenkonzept erfahrungsgemäß kostenintensiv in den Markt gebracht werden muß. Das vorliegende Konzept hat es meines Erachtens grundsätzlich verdient, vom Markt angenommen zu werden. Da allerdings immer noch kein breites Vertriebsnetz steht und der Projektleiter massive Defizite in der Kommunikation und Verläßlichkeit aufweist, ist das Anlagerisiko aus Investorensicht exorbitant hoch.

Die Anbieterin verdient über die laufenden Kosten hinaus den Mehrgewinn nach Auszahlung der Verzinsung zzgl. Bonuszins für den Anleger.

Schwächen – Vertriebsnetz steht immer noch nicht. Projektleiter hat sich als kommunikationsschwach und unzuverlässig erwiesen.

Stärken – Bestehende Referenzanlage. International renommierte Entscheidungsträger. Exzellentes Marktumfeld. Sehr innovatives technisches Konzept. Sehr überzeugendes Chancen-Risiko-Verhältnis.

Die Zielgruppe

Genußrechte beteiligen den Kapitalgeber mittelbar an der Unternehmensentwicklung. Geht die Investitionsstrategie auf, erhält der Anleger die geplante Verzinsung, tritt der Insolvenzfall ein, steht er ganz am Ende der Schlange der Anspruchsteller, geht damit, aller Wahrscheinlichkeit nach, leer aus. Allerdings sind die Risikoszenarien beruhigend, da eine überhohe Mortalität ebenso eingerechnet ist wie sehr konservative Marktpreise. Die Anlagestrategie ist nachvollziehbar. Auch wenn die Transparenz auf Projektebene hoch ist, hat der Kapitalgeber keinen Einfluß auf die Projektentwicklung. Da der Projektleiter Acksteiner sich mir gegenüber als unzuverlässig und unfähig zur Kommunikation erwiesen hat, kann ich einen Privatanleger nur warnen, eine Beteiligung einzugehen. Derart unseriöses Verhalten hat im Bereich Publikumsofferten nichts zu suchen. Auch das fehlende Vertriebsnetz sorgt für ein massives Risiko – würde das Angebot nicht plaziert, stünde das ganze Konzept vor einer Totgeburt.

Summa summarum

halte ich das Angebot „Genußrecht“ der Deutschen Edelfisch DEG Capital GmbH, Berlin, für indiskutabel. Die Konzeption an sich ist durchdacht und erprobt. Die nachweislich hohe technische Expertise gepaart mit einer einzigartigen Marktsituation sorgt für ein gutes Risiko-Profil. Neben dem fehlenden Vertrieb stellt die indiskutabel mangelhafte und unseriöse Kommunikation der Verantwortlichen ein klares Warnzeichen gegen eine etwaige Beteiligung. Meiner Meinung nach verdient das Angebot eine Bewertung mit „indiskutabel“ (5).

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